Schäfchen zählen in der Normandie
Alte Landrassen zu züchten ist eine Form der Bewahrung von kulturellem Erbe. In der Manche kennt man drei davon.
Wie auch in Deutschland werden in der Normandie die alten Landrassen wiederentdeckt. Der Grund: Diese Tiere sind robust und widerstehen dem wechselhaften Wetter im rauen Klima des Nordwestens. Alte Landrassen zu züchten ist eine Form der Bewahrung kulturellen Erbes. In der Manche kennt man drei Rassen.
Das Cotentin-Schaf
Die Bezeichnung ist etwas irreführend: Seine Wiege stand im Coutançais, dem historischen Bistum Coutances. Im Lauf der Zeit wurde aus dem Wort Coustançais erst Costentin und schließlich Cotentin – das heute die nördliche Halbinsel des Départements Manche bezeichnet und nicht einmal mehr die Stadt Coutances umfasst.
Diese Schafe kommen aus der Bocage, den Wallhecken. Sie brauchen Bäume und Hecken, um ihre rosa Kopfhaut vor Sonnenbrand zu schützen. Traditionell werden sie in kleinen Gruppen von 10 bis 30 Tieren gehalten, oft zusammen mit Pferden. Der Bestand wird auf 2.000 Tiere geschätzt. Charakteristisch ist der kaum behaarte rosa Kopf; mit 90 bis 100 Kilogramm (weiblich) und 100 bis 140 Kilogramm (männlich) sind sie echte Schwergewichte.

Das Avranchin-Schaf
Das Avranchin ist die erste anerkannte Schafrasse der Manche. Seit dem 18. Jahrhundert wurde die Qualität des Fleisches von Feinschmeckern gelobt, die Feinheit seiner Wolle bereits 1764 hervorgehoben. Vor dem Krieg war es die am weitesten verbreitete Rasse der Region; 1960 konnte es gerade noch vor dem Aussterben gerettet werden. Seit 2015 gilt es als gefährdete Haustierrasse – es gibt nur etwa 2.000 Mutterschafe.
Als alte Graslandrasse ist es heute oft auf den Salzwiesen anzutreffen, da es das ganze Jahr im Freien leben kann. Sein Charakter ist sanftmütig, die Mutterschafe kümmern sich besonders liebevoll um ihre Lämmer. Einstallen lassen sie sich ungern.
Das Roussin de la Hague
Eine richtig alte Rasse ist das Roussin nicht: Es entstand um 1920 aus der Verpaarung lokaler Schafe in den Dünen von Biville und Vauville mit den englischen Rassen Dishley und Southdown. Offiziell anerkannt wurde es erst 1982.
Das Roussin ist äußerst widerstandsfähig und perfekt an das raue Klima im Norden des Cotentin angepasst. Auf den Salzwiesen reifen die Lämmer zu den berühmten agneaux de prés-salés heran. Erkennbar ist die Rasse am braunen Kopf und dem wachen Blick.

Schafe erleben und Schafprodukte kaufen
- Ferme de la Petite Lande, 50310 Ecausseville – Biobetrieb mit Fleisch vom Avranchin, Telefon +33 6 99 65 60 41
- Laines à l’Ouest – Wolle normannischer Rassen, kleiner Laden in Lessay, 6 rue de la Sainte-Croix, mittwochs 15 bis 18.30 Uhr
- Jambon de Lessay – Merguez vom Salzwiesenlamm, Espace Fernand Finel, Lessay
- Foire aux Moutons in Jobourg – jeden ersten Samstag im August, mit Hütehund- und Schervorführungen
- Ferme-Musée du Cotentin, Sainte-Mère-Église – hält Schafe der Rasse Roussin, Hunde an der Leine erlaubt

Text und Fotos: Barbara Homolka
Zurück zur Übersicht
